Das Bauernmuseum
Das Ethnographische Museum von Morigerati ist ein wahres Schatzkästchen. In den 1960er Jahren haben die beiden Schwestern Modestina und Clorinda Florenzano, die Erbinnen ehemaligen Barone von Morigerati ihre Sammlung von Gegenständen aus dem bäuerlichen Leben in und um Morigerati begonnen. Sie hatten damals, in einer Zeit des allgemeinen Umbruchs, als die große Auswanderungswelle die Orte entvölkert hat, Strom und fließend Wasser in die Häuser kam, Straßen gebaut wurden, die die isolierten Weiler endlich mit der Außenwelt verbanden, die Weitsicht, Zeugnisse einer mittlerweile zur Vergangenheit gewordenen Realität zu sammeln. Heute ist beeindruckende Sammlung der Florenzano-Schwestern von der Region Kampanien zum regionalen Ethnographischen Museum anerkannt worden, damit ist ihr eine wissenschaftliche Relevanz zugestanden worden, die sie auch der unermüdlichen Arbeit des Anthropologen Luciano Blasco, Direktor des Museums, zu verdanken hat.
3.000 Objekte, Fotografien, Ton- und Videoaufnahmen erzählen von einer Vergangenheit, die noch gar nicht so lange vergangen ist, und die von einigen alten Menschen heute noch gelebt wird.
Ex voto aus Wachs. Beeindruckend sind die Gipsformen für Ex voto. Votivgaben aus Wachs, die früher in den Kirchen und Sanktuarien als Bitte oder als Dankesgabe ausgelegt wurden. Wir finden alle nur erdenklichen anatomischen Teile, von Kindern wie Erwachsenen, die bis Ende der 1940er Jahre in der Cereria von Morigerati im Auftrag für die jeweilige Familie angefertigt wurden. Im Cilento war dieses die einzige existierende Ex voto-Produktion.
Landwirtschaftliche Gerätschaften. Die Gerätschaften sind beredte Zeugnisse einer bäuerlichen Kultur, die vorwiegend auf Subsistenzwirtschaft fusste. Sie sind verblüffend einfach und wurden zumeist von den Bauern zweckdienlich selbst angefertigt. Wir finden alle möglichen Utensilien, die zum Anbau, zur Ernte, zur Verarbeitung und zur Aufbewahrung der wichtigsten landwirtschaftlichen Produkte, wie Getreide, Oliven, Wein, Feigen und Gemüse verwendet wurden. Da den Familien nur wenige ebene Parzellen zur Verfügung standen, mussten die meisten sich mit kleinen, in Terrassen angelegten, Stückchen Ackerland begnügen, die gerade einmal für den persönlichen Bedarf der Familie und einen kleinen Tauschhandel ausreichten.
In der Tierhaltung wurde vorwiegend auf Geflügel, Schafe oder Ziegen gesetzt.
Handwerk. In Morigerati gab es alle Handwerke, die für einen funktionierenden bäuerlichen Alltag von Nöten waren, was dem Ort das Überleben in seiner ansonsten sehr isolierten geographischen Position ermöglichte. Wir finden Arbeitswerkzeuge von Schmieden, Hufschmieden und Blechschmieden, von Korbflechtern, Zimmerleuten, Waldarbeitern, Schreinern und Weberinnen.
Textilien. Den bedeutendsten Teil der Sammlung nimmt die Produktion und Herstellung von Stoffen und Kleidung ein. Flachs, Hanf und sogar Ginster wurden in Morigerati angebaut, behandelt und schließlich in Gewebe verwandelt. Mehrere Webstühle im Ort sorgten dafür, dass die notwendigen Textilien stets zur Hand waren. Dazu zählten nicht nur Kleidungsstücke sondern auch Säcke, Decken, Planen. Die Sammlung gibt zudem einen schönen Überblick über Kleidungsstücke aus den letzten 250 Jahren, vom Alltagsgewand der Bäuerinnen bis zum Brautkleid.
Webseite des ethnographischen Museums
Das Museum liegt in Morigerati, Via Granatelli und ist ganzjährig geöffnet. In den Sommermonaten täglich vormittags und nachmittags, in den Wintermonaten nur nachmittags ab 15.30 Uhr. Deutschsprachige Führung. Eintritt frei.
