Der Cilento Nationalpark

Der Cilento Nationalpark ist mit 80 Gemeinden und 180.000 Hektarn Schutzgebiet der zweitgrößte und auch der jüngste unter den italienischen Nationalparks. Was an ihm verlockt sind seine Ursprünglichkeit und seine Vielfalt. Er gehört zu den Kulturgütern des Unesco-Worldheritage-Programms, zu dem Geoparks Network, zum Programm Man and Biosphere der Unesco.

Kleine, bestens erhaltene Weiler aus dem Mittelalter verteilen sich über die verkarstete Landschaft, jeder hat sich durch jahrhundertelange Isolation in der Abgeschiedenheit der cilentanischen Hügel- und Berglandschaft seinen eigenen Charakter erhalten. Im Westen grenzt der Park an das tyrrhenische Meer, wo mehrere Meeresschutzgebiete für beste Wasserqualität sorgen. Die Küste ist vielseitig von langen Sandstränden bis hin zu steilen, von Höhlen durchdrungenen Klippen. Das Herz des Nationalparks ist das 1.898 m hohe Massiv des Monte Cervati, mit seinen beeindruckenden Buchenwäldern und unendlichen Lauf- und Wandermöglichkeiten. Monte Gelbison (1.700 m), Monte Stella (1.300 m) und der kahle Felsenrücken des Monte Bulgheria (1.200) bestimmen das Panorama des Cilento. Das kalkhaltige Gestein hat fantastische Landschaften aus Canyons, Höhlen und schwindelerregenden Felsformationen hervorgebracht.

Der Cilento und vor allem die cilentanische Küste sind immer wieder An- und Übergriffen verschiedener fremder Völker ausgesetzt gewesen: früh siedelten bereits die Griechen hier (Paestum, Velia – das antike Elea – und Grumentum sind noch heute Zeugen der griechischen Antike), die Römer haben sich später hier niedergelassen und zahlreiche Ortschaften gegründet. Es folgten Sarazenen, Normannen, Bourbonen …

Eigentümlich für die Gegend sind die vielen Einsiedeleien, Kirchengründungen und Klöster, griechisch-orthodoxen Ursprungs, die auf die Anwesenheit von byzantinischen Mönchen, die auf der Flucht vor dem Bildersturm, sich bis in das cilentanische Hinterland zurückzogen, zurückzuführen sind. Viele Orts- und Heiligennamen zeugen noch heute von diesem Phänomen. Der cilentanische Dialekt, der mehr dem lukanischen als dem neapolitanischen ähnelt, ist stark durchsetzt mit Lehnwörtern aus den verschiedenen Sprachen der jeweiligen Eroberer (griechisch, arabisch, französisch …) und damit einer der linguistisch interessantesten Dialekte der italienischen Halbinsel.

Die isolierte Position der Siedlungen, die sich zumeist einsam auf einer Bergkuppe oder eng an einen Hang geschmiegt befinden, hat zusätzlich dazu geführt, die sprachliche und kulturelle Besonderheit der einzelnen Ortschaften zu erhalten. Wir finden hier ein Italien, wie man es sich unverfälschter und ursprünglicher nicht wünschen kann. Die natürliche Herzlichkeit und Gastfreundlichkeit der Cilentani sucht in unserer hektischen Welt seinesgleichen. Eine überaus gesunde und abwechslungsreiche Küche verwöhnt den Gaumen durch die Ursprünglichkeit der einzelnen Zutaten. An der Küste überwiegt eine fischreiche Kost, während wir bereits wenige Kilometer von der Küste entfernt,  Spezialitäten auf Fleisch- und Gemüsebasis genießen können. Typisch cilentanische Produkte sind die weißen Feigen, Olivenöl extra vergine, Honig, Schafs- und Ziegenmilchprodukte, Wein, Nüsse und Wildschwein sowie hausgemachte Nudeln.

Der Cilento hat, wie viele süditalienische Gegenden, stark unter den Auswanderungwellen des letzten Jahrhunderts gelitten. Viele der kleinen Ortschaften haben sich durch die Abwanderung halbiert. Schulen wurden geschlossen, Betriebe haben sich zurückgezogen, die Arbeitskräfte sind nach Norditalien, Deutschland oder die Schweiz ausgewandert und kehren nur in den Sommerferien in ihre Heimat zurück. Manche Familien sind komplett nach Südamerika gegangen und sehen ihre europäischen Verwandten nie oder nur ganz selten wieder.

Die Entdeckung des Tourismus als mögliche Einnahmequelle ist im Cilento relativ neu. Noch finden wir hier nur wenige touristische Infrastrukturen. In der Nebensaison sind fast alle Hotels und andere Beherbergungsbetriebe geschlossen. Der Cilento ist sozusagen touristisches Neuland und noch völlig unverdorben vom Massentourismus mit seinen zerstörerischen Nebenwirkungen.

Die Gründung des Nationalparks und auch die zunehmende Sensibilisierung der Italiener in Sachen Umwelt- und Naturschutz setzen wichtige neue Akzente in der Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus. 

Das Klima ist überraschend angenehm mit warmen, aber nicht zu heißen Sommern im grünen Bergland und sehr milden Wintern. Nicht selten kann man im November noch spätsommerliche 22 bis 23 Grad genießen. Der Cilento lädt ein zu jeglicher Art von Outdooraktivitäten: Wandern, Bergwandern, Bergsteigen, Flusswandern, Canooing, Tauchen, Paragliding und Radfahren (für Trainierte).

Parco Nazionale del Cilento e Vallo di Diano.